Wann wussten Sie, dass Sie Künstler werden wollen?
Ich habe mich nicht bewusst für die Kunst entschieden – sie hat mich gefunden. Kreativität war immer ein Teil von mir, aber der wirkliche Einstieg kam durch einen absurden Zufall: Ich habe einfach zu viele Bilder auf eBay verkauft. Irgendwann wurde ich gemeldet, weil es nach Gewerbe aussah. Also habe ich ein Gewerbe angemeldet – und plötzlich war ich mittendrin. Nicht geplant, sondern reingestoßen. Und aus einer bürokratischen Boshaftigkeit wurde eine der besten Fügungen meines Lebens. Heute weiß ich, dass es genau der Weg war, den ich gehen sollte.
Welcher ist Ihr, noch lebender, Lieblingskünstler?
Eigentlich bin ich den alten Meistern verfallen – ihrer Technik, ihrer Tiefe, der Art, wie sie Licht und Schatten inszenieren. Aber wenn ich einen lebenden Künstler treffen dürfte, dann wäre es Banksy. Ich mag sein Salz in der Wunde, seine Art, den Finger in die Gesellschaftsrisse zu legen. In Glasgow war ich auf einer Ausstellung, die er selbst kuratiert hat. Das war mehr als Kunst – das war ein Statement. Es war roh, direkt und ungeschönt. Ich stand da, habe mir alles genau angesehen und am Ende einfach geweint. Es war dieser Moment, in dem Kunst nicht nur ein Bild ist, sondern eine Erfahrung.

Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit beim Betrachter hervorrufen?
Eine Hommage an das, was wir überstanden haben. Jeder Einschnitt im Leben, jedes Tal, durch das wir gegangen sind, formt uns. Und meistens sind es genau diese schmerzhaften Erfahrungen, die uns zu den starken Menschen machen, die wir heute sind. Ich möchte, dass man nicht nur sieht, sondern fühlt – und vielleicht sogar erkennt, wie weit man selbst schon gekommen ist. Es geht nicht darum, etwas Schönes zu schaffen, sondern darum, etwas Echtes zu zeigen. Etwas, das bleibt.
Was ist die interessanteste Interpretation, die Sie von Ihrer Arbeit gehört haben?
Es war unglaublich, als mehrere Menschen mir sagten, dass sie in den Bildern etwas gespürt haben, das sie tief berührt hat. Besonders spannend finde ich, wie unterschiedlich die Wahrnehmung sein kann – manche empfinden bestimmte Werke als düster oder beängstigend, während andere sie als faszinierend und kraftvoll wahrnehmen. Diese Gegensätze zeigen mir, dass Kunst nicht nur das ist, was ich hineinlege, sondern auch das, was der Betrachter darin sieht – geprägt durch seine eigenen Erfahrungen und Emotionen. Es macht deutlich, dass jeder Mensch Kunst auf eine ganz persönliche Weise erlebt.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration für Ihre Arbeiten?
Erfahrungen hinterlassen Spuren – in uns, in den Bildern, in allem, was wir tun. Vieles, was ich erschaffe, kommt aus dem, was ich durchlebt habe. Die Tiefen, die Kämpfe, aber auch die Momente der Ruhe und Erkenntnis. Gleichzeitig faszinieren mich visuelle Elemente: starke Posen, Symbole, das Zusammenspiel von Licht und Schatten. Es geht um Kontraste, um Kraft und Verletzlichkeit, um den ständigen Wandel. Selbst in den schwierigsten Momenten liegt etwas, das es wert ist, festgehalten zu werden. Ich beobachte viel – die Bewegungen von Menschen, die Strukturen in der Natur, das Spiel von Licht auf einer Oberfläche. Alles kann eine Inspiration sein, wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht.
Was ist das beste daran Künstler zu sein?
Der Prozess. Das Entdecken, das Spiel mit den Farben, das Erkunden der Details. Es ist wie ein geistiger Dialog mit dem Bild – ein Moment, in dem sich alles andere ausblendet. Ein Pinselstrich hier, ein Farbton da, und plötzlich entwickelt sich eine Geschichte, die immer intensiver wird. Ich liebe es, die Richtung zu lenken, ohne zu viel zu kontrollieren, bis das Werk genau das erzählt, was es erzählen soll. Dieser Moment, wenn alles zusammenkommt – das ist das Beste daran. Es ist wie eine Sucht – aber eine, die mich erfüllt und antreibt.

Können Sie Ihre Techniken und Ihren künstlerischen Schaffensprozess beschreiben?
Meine Bilder entstehen Schicht für Schicht. Die Basis ist oft ein Experiment – Spachtelmasse, Tusche oder Tinte. Diese ersten Schichten sind unberechenbar, sie bringen zufällige Strukturen und Details hervor, manchmal sogar Figuren, die sich ins Gesamtbild fügen. Danach kommt Acryl – grob, richtungsweisend. Mit Lasuren forme ich Tiefe, lasse Licht und Schatten arbeiten. Öl bringt schließlich den letzten Atemzug, die Höhen und Tiefen, die das Bild lebendig machen. Es ist ein kontrolliertes Chaos – ein Zusammenspiel von Planung und dem, was sich im Prozess zeigt. Jedes Bild entwickelt sich in einer eigenen Geschwindigkeit. Manche lassen sich schnell greifen, andere fordern Geduld.
Was war Ihr überraschendster Moment ihrer bisherigen Kunstkarriere?
Anfangs habe ich einfach nur schöne Bilder gemalt. Es ging um Ästhetik, um Harmonie, um das, was sich gut anfühlt. Doch irgendwann hat sich etwas verändert. Ich habe gemerkt, dass meine Bilder mehr sein können als nur schön – dass sie eine Geschichte erzählen, eine Botschaft tragen, eine Seele bekommen. Dieser Moment, in dem ich erkannte, dass Kunst mehr ist als reine Ästhetik, war für mich der überraschendste und zugleich wichtigste in meiner künstlerischen Entwicklung. Es hat meine ganze Sichtweise verändert.
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Welche Anschauung haben Sie auf unsere Welt und ihre Gesellschaft?
Unsere Welt ist ein Paradoxon – voller Schönheit und Zerfall, voller Freiheit und unsichtbarer Ketten. Jeder trägt seine Kämpfe im Stillen aus, nach außen poliert, doch im Inneren oft zerrissen. Genau dort liegt die Wahrheit. Ich will mit meiner Kunst dorthin, wo es weh tut, wo etwas gebrochen wurde – und trotzdem weiterlebt. Wo Menschen ihre Narben nicht verstecken, sondern mit Stolz tragen. Denn wahres Wachstum kommt aus dem, was wir durchlebt haben – egal, ob es uns verbrannt oder geformt hat.
Welcher Aspekt des kreativen Prozesses gefällt Ihnen am besten?
Der Moment, wenn aus dem Chaos etwas Greifbares entsteht. Wenn eine zufällige Struktur plötzlich eine Geschichte andeutet oder die Farben dem Bild Leben einhauchen. Ich liebe es, mit Schichten zu arbeiten, mit Licht und Schatten zu spielen und dabei zu beobachten, wie sich alles zusammenfügt. Es geht nicht nur um Technik, sondern um das Gefühl, wenn sich das Bild in die richtige Richtung bewegt – als würde es selbst entscheiden, wann es fertig ist.
Was sind Ihre nächsten Projekte, Ideen und Ausstellungen. Wo kann man Sie und Ihre Kunst zeitnah sehen?
Ich bin immer wieder in Galerien, auf Kunstmessen und in verschiedenen Ausstellungen vertreten. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, kann sich gerne auf www.katharina-hindes.de für den Newsletter eintragen oder mir auf Instagram (@katharina.hindes) folgen. Dort teile ich nicht nur kommende Ausstellungen, sondern gebe auch Einblicke in meine Arbeit und die Entstehung neuer Werke. Und falls etwas Interessantes dabei ist, kann man mich auch im Atelier besuchen oder eine Probehängung vereinbaren.
Weitere Informationen und aktuell verfügbare Werke unter:
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